38 Tage Mexiko

„Reisen in Mexiko“ ist bereits so oder so ähnlich als Gastbeitrag auf dem berühmten Blog WeltenbummlerMag erschienen. Hier klicken…

Wenn man an ein Land denkt, in dem man noch nie zuvor war, hat man stark vereinfachte Bilder im Kopf. Im Falle von Mexiko dachte ich an einen Kaktus, der einsam in einer Wüste steht. Aber ich hatte mystische Dinge munkeln hören: Die im Dschungel lebenden, rebellischen Zapatisten hätten ihre eigene Regierung, die regelmäßig wechselt. In den sogenannten Cenoten könne man unterirdisch und unendlich tief ins Nichts schwimmen. Der mexikanische Boden sei übersät von heiligen Überbleibseln der Mayas. Ein Land – von zahlreichen Meeren umgeben, mit Dschungel und Bergen, Vulkanen und Wüsten. Ich wollte dahin!

Paradiesinseln, Walhaie und die fiese Medusa

Die Inseln vor der Küste Yucatáns, gelegen in der Region Quintana Roo, sind ein guter Ort, um Mexiko langsam auf sich zukommen zu lassen. Dank dem fabelhaften Bussystem kommt man von allen größeren und kleineren Städtchen im Umland preiswert zu den Booten, die einen ins Paradies verschiffen. Die Isla Holbox ist eine kleine Insel, zu der man von Chiquilá aus übersetzt. Die Karibik stößt hier auf den dunklen Golf von Mexiko. Auf den kleinen Sandstraßen fahren keine Autos, sondern nur Golfcarts.

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Was man hier findet? Scheinbar endlose, weiße Sandstrände, eine ruhige, familiäre Atmosphäre, die typische Hängematten-Kultur in dem angeblich schönsten Hostel Mexikos („Hostel Tribu“) und Strandbars mit Schaukel.

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Ganz großes Kino: Zwischen Mai und September fressen riesige Walhaie, die größten Fische der Welt, vor der Küste Plankton.

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Wer seetauglich ist und keine Angst verspürt, kann für den lässigen Preis von ca. 900 Mex(umgerechnet: 50 ) mit ihnen schwimmen. Es ist eine große Aufregung mit diesen friedvollen Meeresriesen, die zudem noch von gewaltigen Rochen umtänzelt werden, in den Wogen zu sein. Der Trip mit dem Boot dauert einen halben Tag. Mehrere Stops zum Schnorcheln und Schildkrötengucken sind inbegriffen, sowie der Abstecher in eine Lagune. Frisches mexikanisches Ceviche, ein Gericht aus frischem Fisch und Meeresfrüchten mariniert in Limettensaft, wird ebenfalls serviert. Dazu knuspert man Tortillachips und kühlt sich an einem üppigen Vorrat an Coca Cola.

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Schön klingen die Tage am feinen Strand aus Korallenstaub aus! Der Sonnenuntergang mit einem kühlen Cerveza in der Hand ist besser als jedes Bildschirmgeflacker.

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Gute Stunden tropften vom Himmel dieser Tage, gute Winde wehten“
(Hermann Hesse, Klingsors letzter Sommer)

Obacht! Wer brennende, rote Striemen auf seiner Haut entdeckt, ist wohl der gemeinen Medusa, einer mexikanischen Qualle zum Opfer gefallen. Obwohl dies selten passiert, hatte ich das Glück einer zu begegnen und sah danach aus, als hätte ich wild mit ihr geknutscht. Ein bisschen stolz trage ich sogar heute noch eine Narbe zur Schau – alles Abenteuer!

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Von einer zweiten Insel möchte ich schwärmen: Die Isla de Mujeres (Fraueninsel) ist etwas größer und umtriebiger, aber immer noch tiefen-entspannt. Von Cancún aus kommt man ohne Stress auf das tropische Eiland. Zu empfehlen ist das „Poc-Na Hostel“ an einem kleinen Strand, wo Beach-Volleyball gespielt wird, man regelmäßig Yoga praktiziert und dicke Iguanas, riesige Leguane, in der Sonne abhängen.

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Das Wasser ist fast unverhältnismäßig blau. Postkarten-Strand, Postkarten-Palmen, Postkarten-Alles.

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Emsig erlernen die Tauch-Schüler ihre Lektionen. Zahlreiche Kurse und Touren werden angeboten. Man sollte es sich nicht nehmen lassen, in schillernden bunten Fischschwärmen durch die blaue Unterwasserwelt zu schnorcheln. Überall gibt es zünftige mexikanische Küche: gefüllte Quesadillas und Tacos, Guacamole vom Feinsten, goldgelbe Mangos und viele Schmäckerchen mehr.

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Quesadillas

Oh wie schön ist Yucatán!

Man erzählt sich, dass die ersten Spanier die Ureinwohner fragten, wie die Halbinsel heißen würde. Diese antworteten „Yucatán“, was so viel wie „Ich verstehe nicht“ bedeutete. Dieses schöne Missverständnis führte zu dem Namen für eine Region voller Schätze.

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Um den geheimnisvollen Cenoten auf den Grund zu gehen, lohnt es sich ein Auto zu mieten, um unabhängig möglichst viele, der mehr als 900 Kalksteinlöcher der Region, anzusehen. Man sagt, dass diese durch die Schockwelle des Asteroideneinschlags, der die Dinosaurier auslöschte, verursacht wurden. Die Cenoten bilden ein teilweise unerforschtes und weitreichendes unterirdisches System von Flüssen und seenartigen Ansammlungen. Die süßwasserhaltigen und heute als Attraktion und Badestellen genutzten Cenoten sind manchmal 100 m tief und waren einst heilige Orte und Brunnen der Mayas.

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Cenote Zací in Valladolid

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Cenote Samulá – etwa 7 km westlich von Valladolid

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Cenote X-Canché bei Ek’Balam

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Gran Cenote – etwa 3 km von Tulum

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Zufällig gefundene kleine Cenote – irgendwo zwischen Chichén Itza und Mérida

Mexiko hat eine Vielzahl an Pyramiden und Tempeln der Mayas zu bieten. Chichén Itza ist die berühmteste und restaurierteste Stätte in Yucatán. Die Anlage gehört zu den neuen sieben Weltwundern. Dieser Ort ist natürlich stark überlaufen, da jede Busladung voller Touristen hier im großen Stil ausgespuckt wird. Trotzdem muss man mal da gewesen sein!
Tipp: Nach 17 Uhr ist der Eintritt kostenfrei.

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Von drei schönen Städten möchte ich erzählen: Mérida, Tulum und Campeche. Mérida liegt im Nordwesten der Halbinsel und ist ein guter Ort für jeden Backpacker und auch alle anderen. Hier findet man bunte Märkte voller Teppiche, Stoffe und Hängematten.

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Wer anfängt auch für zu Hause dringend eine der schönen Hängematten dieses Landes zu benötigen, muss in Mérida zuschlagen. Hier gibt es die Handwerkskunst zu guten Preisen, wenn man nicht in den Touristenläden einkaufen geht und gut verhandeln kann.

Im „Nómadas“ und dem Hostel direkt am Zócalo (übersetzt: zentraler Platz) kommt man sagenhaft unter und trifft viele Weltreisende.

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Tolles Pool im Hostel „Nómadas“

Tulum ist spektakulär! Der Strand zählt zu den besten Mexikos und die hiesigen Ruinen liegen direkt am Wasser. Große Iguanas ruhen überall zwischen den Steinen.

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Gut übernachten, ist schwieriger in Tulum, da hier alles teuer und voll ausgebucht ist. Es gibt Hütten direkt am Strand, diese sind ebenfalls knackig im Preis und wenn ein Hurrikan auftaucht und sein Unwesen treibt, macht man sich, ich spreche aus angstvoller Erfahrung, ganz schön ins Hemd.

Chiapas – Irgendwann ist es Zeit für den Dschungel!

Wenn man die vielstündige und gefährliche Fahrt nach Chiapas auf sich nimmt, kann es sein, dass man eine Nacht in Campeche verbringt. Geheimtipp: Hier kann man heimlich unter freiem Himmel auf der Dachterrasse des „Pirate Hostel“ nächtigen.

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Die Ruinen von Palenque zu sehen, war mein Tempel-Highlight. Sie liegen in einem sattgrünen von Brüllaffen vertonten Szenario mitten im Dschungel.

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Am Besten schläft man in einer der cabañas im versteckten Dorf El Panchán. Hier leben einige Aussteiger und Hippies – schräge Mische! Das Dorf ist nur wenige Kilometer von Palenque entfernt und befindet sich unweit der Ruinen.

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Blick von den cabañas in den Dschungel

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Tipp: Auf dem verschwitzten Rückweg von den Mayaruinen sollte man den geheimen Wasserfall nicht verpassen. Von der Straße Richtung El Panchán geht links ein kleiner Trampelpfad ab, der zu kühlen Bassins und rauschendem Nass führt. Von dort aus kann man auch die Dschungelgegend erkunden und unter riesigen Mammutbäumen staunen.

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Wenn man sich am frischen Grün sattgesehen hat, ist es mit der Region Chiapas noch längst nicht getan. Von Palenque aus kann man nach Herzenslust weiter traveln.

Lust den Spuren der Zapatistas auf den Grund zu gehen? Dann auf in den sagenumwobenen Lacandón Jungle, zur Laguna Miramar oder dem Dorf La Realidad! Hierbei muss man allerdings den abenteuerlichen und nicht ganz unbeschwerlichen Weg auf der Ladefläche eines Transporters auf sich nehmen. Am Ende ist man allerdings dort, wo kaum ein Tourist sein Unwesen treibt. Auf dem Weg Richtung Oaxaca kann man an den beiden atemberaubenden Wasserfällen Misol-Ha und Agua Azul Stop machen. Chiapas hat auch einen Canyon zu bieten, dessen Name Cañón del Sumidero lautet.

Unser Weg führte uns allerdings per Bus über Ocosingo in die traumhaft schöne Stadt San Cristóbal de las Casas. Die Kolonialstadt liegt in einem Hochlandtal. Abends und nachts herrscht hier ein spürbar kühleres Klima – eine angenehme Abwechslung zur Hitze des Dschungels.

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Im „Hostal Akumal“ zu übernachten ist mein Spezialtipp. In einem bunten Hof tummelt sich eine überschaubare Anzahl von sehr netten Menschen. Es ist zentral, hat eine tolle Dachterasse, es gibt gutes Frühstück und die jungen Besitzer sorgen liebevoll für ihre Gäste.

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In San Cristóbal muss man den städtischen Markt besuchen – der ist hier einzigartiger und schöner als überall sonst in Mexiko.

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Von hier aus fuhren wir mit frisch gefundenen Freunden gemeinsam per Bus weiter in die Region Oaxaca.

Zur Pazifikküste und in die Oase Mazunte

Die Fahrt nach Oaxaca und an die Küste des Pazifik, voller Surferorte, dauert an die elf Stunden und lohnt sich brutal! Man sollte allerdings auch hier die 1. Klasse Busse wählen, da Überfälle bei langen Fahrten keine Seltenheit sind. Wer das nicht für möglich hält, sollte den Busbahnhof der 2. Klasse besuchen und kann sich dieses Umstandes vergewissern.

Die Traveller-Treffs am Meer heißen Puerto Escondido, Zipolite, San Augustinillo und Mazunte. Von der kleineren Stadt Pochutla gibt es Collectivo-Verbindungen. Wer nicht gerade mit der großen Traveller-Welle reiten will, soll nach Mazunte gehen und wird mit purem Wohlsein belohnt werden.

Das schnuckelige Örtchen liegt am Rande einer schönen, gewundenen und palmenüberschatteten Bucht.

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Klein, aber oho! Schlafen und die Tage an sich vorbeiziehen lassen, kann man sowohl strandnah in kleinen Cabañas als auch on the top auf dem Hügel. Die Unterkunft „Balamjuyuc“ hat den schönsten Blick über die gesamte Bucht zu bieten. Tolle Fincas, Outdoor-Duschen und bunte Häuschen zeichnen das Anwesen aus.

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Hier lebt und waltet der Gastgeber und Geschichtenerzähler Emiliano. Nebenbei wird Kultur produziert – in einem kleinen Studio wird das Radio „La Voz de Mazunte“ aufgenommen und gesendet. So läuft sagenhafte Musik rund um die Uhr, die das unwirkliche Gefühl hoch oben verstärkt. Ein halsbrecherischer, aber spannender Pfad führt direkt an den Strand.
Achtung: Aufpassen vor Skorpionen! Als der Gastgeber Emiliano von einem gestochen wurde, haben wir uns große Sorgen gemacht. Niemals in dunklen Ecken barfuß gehen!

Wenn man den Schritt aus der Hängematte wagt, gibt es Wunder über Wunder zu entdecken. Fast einen Steinwurf entfernt, liegt die Punta Cometa, ein Aussichtspunkt hoch über den Klippen. Unterhalb rauscht die Brandung an die Felsen. Hier trifft man sich und bestaunt den Sonnenuntergang. Danach trinkt man am Besten den gleichnamigen frischen Cocktail in einer der fetzigen Strandbars zu Livemusik.

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„Saß auf einer Klippe, umgeben von Horizont, der sich irgendwo im weiten Nebel verlor und die Gischt schäumte herrlich gegen den Fels“ (aus meinem Reisetagebuch)

Falls einem Mazunte noch immer nicht wie ein eigenes kleines Universum vorkommt, sollte man den kleinen Ausflug zum schwarzen Vulkanstrand machen, der unverhofft hinter zwei Ecken wartet. Auch hier geht der Feuerball Sonne schnulzig-schön unter, während der endlose schwarze Sandstreifen sich im Dunst verliert.

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An Magic Mushrooms vorbei & zu den Grashüpferständen

Den Absprung aus Mazunte zu schaffen, ist schon vielen Menschen schwer gefallen. Irgendwann weiß man nicht mehr, wie lange man schon da ist oder noch bleibt. Schließlich war es bei uns so weit und wir nahmen schweren Herzens ein Colectivo Richtung Norden. Man fährt durch neblige Wälder und kommt an der kleinen Stadt San José del Pacífico vorbei. Hier steigen neugierige Abenteurer und pilzbegeisterte Menschen aus, um sich, genüsslich kauend und wartend auf die Wirkung der mexikanischen Pilze, zurückzulehnen. Der Ort hat etwas Seltsames und Gespenstisches, weswegen wir nur schnell einen Kaffee schlürften und dann weiterfuhren – in die Stadt Oaxaca.

Unsere Highlights in der schönen alten Stadt waren: Grashüpferessen, Mezcal-Kostproben und ein großes Marktspektakel.

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Wie wir am eigenen Leib erfuhren, ist nicht die USA das Land mit dem größten Coca Cola Konsum, sondern Mexiko.

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Von Oaxaca aus kommt man einfach und günstig, aber nur mit einem vielstündigen Trip nach Guatemala. Wir waren neugierig und haben den Schlenker gemacht, aber das ist eine andere Geschichte.

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Nützliche Infos zum Schluss

1. Reisezeit: Wir sind im Juli und August gereist, der „Regenzeit“. Abgesehen von dem kurzen und wenn ich zugebe, Angst einflößenden Hurrikane, haben wir vergeblich nach Regenwolken Ausschau gehalten.

2. Gepäck: Moskitonetze sind fast überall vorhanden. Viel wichtiger ist ein Vorhängeschloss, falls man Wertsachen oder nur den Rucksack im Hostel zurücklassen möchte.

3. Backpacking findet vor allem in den wirklich schönen Hostels statt. Wer Campen und Feuermachen will, sollte das vielleicht lieber in Europa oder anderswo tun.

 

 

Dieser Beitrag ist bereits als Gastbeitrag auf dem berühmten WeltenbummlerMag erschienen. Hier klicken…

Und wenn ihr noch mehr wollt: ALLE Fotos, die ich in Mexiko und Guatemala gemacht habe, findet ihr auf meinem alten Blog hier: http://lovis-marie.tumblr.com/page/10 

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