Meine Interviews mit Hatice Akyün und Elaiza

Die folgenden Interviews mit Hatice Akyün und Elaiza habe ich zusammen mit Jakob Buhre von Planet Interview geführt.

 

Hatice Akyün

Das Interview ist am 11.06.2014 im Neuen Deutschland erschienen. (Hier klicken!)

„Ich überlade meinen Pass nicht mit Emotionen“

Vor neun Jahren schrieb Hatice Akyün in ihrem Buch „Einmal Hans mit scharfer Soße“ über ihr Leben in Deutschland mit türkischen Wurzeln. Nun wurde es von Buket Alakuş verfilmt. Ein Gespräch über das Leben als Komödie, Klischees über türkische Frauen, Hassbriefeschreiber, Helmut Kohl und ihren Schock nach der letzten Wahl in der Türkei.

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Frau Akyün, wie kam es zu der Idee, Ihr Buch „Einmal Hans mit scharfer Soße“ zu verfilmen?
Hatice Akyün: Die Idee hatte ich schon immer, aber das ist natürlich nicht so einfach. Man braucht einen Produzenten und das ganze Drumherum. Die Regisseurin Buket Alakuş kenne ich schon sehr lange, ich wäre aber nie darauf gekommen, dass mein Buch ein Stoff für sie sein könnte. Man musste sich erstmal finden, vor zehn Jahren hätten wir noch nicht diese Mannschaft mit Buket Alakuş, İdil Üner oder Adnan Maral gehabt. Ich glaube, das war Kismet. Das heißt Schicksal auf Türkisch.
Vorher hatte ich schon einigen Produzenten abgesagt.

Warum?
Akyün: Weil die eine Vorstellung hatten, die nicht die meine war. Sie wollten aus dem Stoff etwas sehr Konfliktreiches machen: die Freiheitsgeschichte der Hatice, die sich von ihren strengen Eltern loslöst – aber das steht ja nicht im Buch. Auf ein Mal sollte Hatice ein Kopftuch tragen, obwohl ich keines trage. Die Produzenten wollten die typischen Bilder, die man von türkischen Frauen hat. Sie wollten aus meinem Buch eine Art „Gegen die Wand“-Drama auf lustig machen.

Was steckte dahinter?
Akyün: Die Mehrheit der Gesellschaft hat ein bestimmtes Bild von türkischen Frauen, das die Produzenten erfüllen wollten. Die Unterdrückte, die Zwangsverheiratete, die um Freiheit Kämpfende – aber das bin ich ja nicht! Im Buch bin ich 35, lebe mein Leben und bin noch nicht erschossen worden. Es gibt keinen schlagenden Vater in meiner Familie und ich möchte auch keinen schlagenden Vater einbauen, nur damit das Bild des Zuschauers stimmt.

Hat es Sie Überwindung gekostet, dass all die privaten Erlebnisse nun für so viele Zuschauer auf der Leinwand zu sehen sein werden?
Akyün: Was ist privat? Ich unterscheide zwischen intim und privat. Ich mache mir auch genau Gedanken, was ich aufschreibe und wo meine private, ureigene, intime Grenze ist. Ich möchte anhand meiner Geschichten, meiner Erlebnissen und journalistischen Arbeit zu türkischen Themen zeigen, dass wir gar nicht so unterschiedlich sind. Im zweiten Buch habe ich beschrieben, dass ich einen Kaiserschnitt hatte – ja, auch türkische Frauen haben Kaiserschnitt.

Und Sie schreiben so etwas Privates auf, um einmal bestimmte Dinge klarzustellen.
Akyün: Wer keine Bücher schreibt und nicht journalistisch arbeitet, schreibt so etwas natürlich nicht auf. Aber ich gehe ja mit meinen türkischen Themen an die Öffentlichkeit, weil ich anhand meiner Geschichten etwas beschreiben will. Für mich ist das ein Mittel, um zu zeigen, dass wir Türken ganz normal sind. Es gibt keinen Grund, warum wir anders sein sollten als die Deutschen. Wir sehen vielleicht ein bisschen anders aus, reden und essen anders, aber im Grunde sind wir gleich.

Wird das Bild der türkischen Frau in der Öffentlichkeit zu häufig dramatisiert?
Akyün: Es gibt die Horror- und Leidensgeschichten, die zwangsverheirateten Frauen und auch Hatun Sürücü – die damals in Berlin von ihrem Bruder erschossen wurde. Es gibt die Geschichten von unterdrückten türkischstämmigen Frauen. Das ist aber nur die eine Seite. Es gibt ja noch die andere Seite – meine Seite, so wie ich leben auch ganz viele andere türkischstämmige Frauen. Die dritte Generation lebt wiederum eine ganz andere Art. Es ist mir wichtig, das Bild durch meine Erzählungen zu vervollständigen. Ich habe nicht den Anspruch, dass meine Geschichte, die wahre und einzige ist – ganz im Gegenteil! Alle Geschichten haben ihre Berechtigung. Dramen gibt es auch bei den Deutschen. Meine Geschichte ist kein Drama, bei mir sind es Komödien.

Aber wahrscheinlich nimmt Ihnen nicht jeder die Komödie ab…
Akyün: Ja, das ist eigenartig: Im deutschen Genre, egal ob Film oder Buch, kann man sowohl Dramen als auch Komödien erzählen. Doch sobald es türkischen Themen sind, geht es immer um Dramen und Konflikte. Aber das entspricht ja gar nicht der Realität! Zumindest nicht meiner. Es vergleicht doch auch kein Mensch „Das Leben der Anderen“ mit „Keinohrhasen“!
Mit türkischen Themen sind wir noch nicht so weit, wobei es langsam kommt, mit komödiantischen Filmen wie „Türkisch für Anfänger“ und „3 Türken und 1 Baby“. Ich habe auch das Recht, lustige Bücher zu schreiben! Ildikó von Kürthy oder Susanne Fröhlich werden auch nicht ständig nach sozialen Themen in Deutschland befragt. Aber wenn ich auf einer Lesung bin und zwei Stunden von meinem lustigen Leben erzählt habe, landen wir am Ende doch wieder bei der Zwangsverheiratung.

Der Film ist sehr humorvoll geworden. Haben Sie die starke Beeinflussung durch Ihre Familie auch immer mit Humor genommen?

Akyün: Ja, das ist mein Naturell. Humor ist immer besser als ständig mit einer Flappe herumzulaufen und zu sagen: „Die Deutschen sind alle blöd!“ Ich habe mein Leben als etwas sehr Reichhaltiges erlebt. Ich habe Beides – das Türkische und das Deutsche. Das hat mir auch viele Möglichkeiten gegeben und ich hatte dadurch viele Vorteile.

Und der familiäre Druck? Im Film ist der Umgang damit teilweise sehr locker.
Akyün: Im Film geht es darum, dass die jüngere Schwester schwanger ist, die ältere Schwester aber noch keinen Mann hat und so tun muss als ob sie einen gefunden hätte. Damit der Vater denkt, er hätte seine Familie im Griff. Mein eigener Vater wusste, wie ich in Berlin lebe, dass ich ein Single-Leben habe und mit Männern ausgehe, aber darüber gesprochen hat man nicht. Es geht immer nur darum, so zu tun als ob! Das ist etwas sehr Türkisches und war in meiner Familie auch so. Nichts wurde direkt angesprochen. Ich war immer ganz neidisch auf meine deutschen Freundinnen, die am Abendbrottisch mit den Eltern ihre Probleme besprechen konnten.

Im Film sagt der Vater den Satz: „Du bist nicht mehr meine Tochter!“
Akyün: Mein Vater hat mich nie verstoßen. Ich habe den Satz auch schon mal hören müssen, aber dann geantwortet: „Jaja. Das geht gar nicht. Ich bleibe immer deine Tochter.“ Auch hier habe ich es mit Humor genommen. Dieser Spruch ist gleichzusetzen mit dem Satz „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“ eines deutschen Vaters. Solche Sätze wird es immer geben.

Wer hat das größere Selbstbewusstsein – Ihr Vater oder Sie?
Akyün: (Lacht) Ich würde behaupten, dass ich mein Vater als Frau bin. Mein Vater hat lange nicht verstanden, wie ich lebe. Vor einigen Jahren hat er mich dann aber irgendwann zur Seite genommen und gesagt: „Du bist genau so wie ich als junger Mann. Wenn du mein Sohn gewesen wärst, hätte ich es vielleicht eher gesehen, aber wie sollte ich das an dir als meiner Tochter erkennen?“ Im Grunde bin ich das Abbild meines Vaters, was in einer türkischen Familie aber nicht üblich ist. Der Vater ist der Vater und die türkische Tochter ist die türkische Tochter. Dass ich im Charakter meinem Vaters so ähnlich bin, merken wir erst heute so richtig. Mein Selbstbewusstsein habe ich von meinem Vater und sicher auch meinen Humor.

Hier klicken, um das vollständige Interview zu lesen.

„Die Journalistin und Buchautorin Hatice Akyün wurde 1969 Akpinar Köyü (Zentralanatolien/Türkei) geboren und kam 1972 mit ihrer Familie nach Deutschland. Ihre journalistische Laufbahn begann sie in der Lokalredaktion Duisburg der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, heute schreibt sie u.a. für Spiegel, Emma und den Tagesspiegel. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Bücher “Hans mit scharfer Soße” und “Ali zum Dessert”, in denen sie beschreibt, wie sie in Deutschland versuchte, den richtigen Ehemann zu finden. In ihrem 2013 erschienenen Romans „Ich küss dich, Kismet – Eine Deutsche am Bosporus“ reist sie in die Heimat ihrer Eltern. Hatice Akyün wurde 2011 mit dem Berliner Integrationspreis und 2013 mit den Sonderpreis für Toleranz und Integration der »Initiative Hauptstadt Berlin« ausgezeichnet. Im Juni 2014 startet in den Kinos die Verfilmung von “Hans mit scharfer Soße” (Regie: Buket Alakuş).“ (Planet Interview)

 

Elaiza

„Wir freuen uns den Arsch ab!“

Ela Steinmetz, Yvonne Grünwald und Natalie Plöger von Elaiza sprechen im Interview über neue Songs, Playback, das ESC-Finale und ihr buntes Publikum.

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Elaiza, es gibt euch nun grob seit einem Jahr. Wie viele Konzerte habt ihr schon gegeben?

Yvonne: Ich denke, es waren bisher noch unter 20.

Ela: Wir haben eigentlich immer irgendwie gemuckt. Aber eher in kleinen Clubs oder Cafés, auch auf der Straße oder sogar mal in einem Bonbonladen.

In Berliner Clubs?

Ela: Ja, in der „Trompete“, im „Grünen Salon“…

Yvonne: Oder im „Sally Bowles“ in Berlin-Schöneberg, auch im „Privatclub“, der Bar „Tausend“, „Circus Hotel“…

Wie entstanden die Songs dafür?

Ela: Ich schreibe einen Song am Klavier, dann stelle ich ihn den Mädels vor und der Prozess geht los. Ich biete quasi die Grundlage. Viele Songs, die jetzt auf unserem ersten Album „Gallery“ sind, habe ich schon vorher geschrieben.

Nun habt ihr aber auch Produzenten an eurer Seite – wie läuft da die Arbeitsteilung?

Ela: Wir spielen alles ein wie wir wollen. Wir sagen ganz klar: Da eine Balalaika! Da eine Tuba! Wir haben unsere klare Vorstellung und lassen uns die auch nicht nehmen. Ich kenne die Produzenten auch schon sehr lange. Das Gebäude in dem wir hier sitzen (Valicon Studios, Anm. d. Red) kenne ich schon, seit ich 16 bin. Die Leute hier sind auch extrem stolz – und wir sind froh über dieses kleine Team. Das ist überschaubar, es sind unsere Leute, ich kenne die hier sogar schon länger als Natalie und Yvonne. Mir ist es wichtig, dass wir den Leuten, mit denen wir zusammen arbeiten, vertrauen können und denen auch ganz klar unsere Meinung reinhauen können.

Ihr wirkt sehr bodenständig. Jetzt fahrt ihr für Deutschland zum Eurovision Song Contest, was viel Trubel bedeutet. Wie geht ihr damit um?

Natalie: Wir freuen uns den Arsch ab!

Yvonne: Das ist einfach total krass!

Ela: Also, ich verfolge den Contest schon sehr lange. Ich habe auch schon mal für die Ukraine abgestimmt. Ich fand es immer spannend, wer dort wen hinschickt. Auch weil ich diese Verbindung zu den Ländern habe. Und ich fühle mich schon sehr geehrt, dass wir Deutschland in Kopenhagen vertreten dürfen. Aber wir vertreten eben auch ein bisschen Polen und die Ukraine. (Lacht)

Ihr habt beim ESC-Vorentscheid Künstler ausgestochen, die erfahrener und länger im Business sind als ihr. Wie erklärt ihr euch das?

Natalie: Eigentlich ist es unlogisch. Ich kann es mir nicht richtig erklären, dass die Leute wirklich für uns angerufen haben. „Santiano“ oder „Unheilig“ haben ja viel mehr Fans als wir.

Yvonne: Eine Freundin meinte zu mir: „Ich habe 90 Mal angerufen!“ Es sind aber nicht nur unsere Freunde, die allein würden diese Zahl nicht zustande bringen. (Lacht)

Natalie: Wer weiß.

Ela: Detmold Homies. (Lacht)

Liegt es vielleicht auch daran, dass euer Sound nichts mit dem Plastikpop zu tun hat, den man sonst von den Charts gewohnt ist?

Natalie: Also, da muss ich sagen, dass es beim Vorentscheid nicht wirklich Plastikpop war, zum Beispiel was „The Baseballs“ dargeboten haben. Und „Fiddler on the Deck“ von „Santiano“ finde ich auch gut.

Euer Sound erinnert an die norwegische Frauen-Band „Katzenjammer“. War das ein Vorbild?

Natalie: Nein. Ich habe die erst nach unserer Bandgründung entdeckt. Weil mir jemand gesagt hat, dass wir so klingen wie „Katzenjammer“.

Yvonne: Deren Musik ist aber ganz anders. Wir werden nur mit denen verglichen, weil wir mit Instrumenten handgemachte Musik machen. Auch wenn wir eine ähnliche Instrumentierung haben, unterscheiden wir uns vom Sound her.

Ela: Die haben noch mehr Zirkusmelodien dabei, da sind wir ein bisschen poppiger. Und während bei denen jede mal singt, sind bei uns die Rollen klar verteilt.

Ela, gibt es für deinen Gesang bestimmte Vorbilder?

Ela: Ich bin mit unterschiedlichen Stilrichtungen groß geworden, auch mit Opern- und Jazzgesang, weil meine Mutter anfing, das zu studieren. Mein leiblicher Vater hat in einer Rockband gespielt und als Kind habe ich auch viel „Queen“ gehört. Meine allererste Kassette war von „The Offspring“. Die liefen damals bei uns in der Ukraine im Radio und da habe ich dem Verkäufer im Laden dieses „Give it to me Baby“ vorgesungen. Der fand das so lustig, dass er mir die Kassette geschenkt hat. (Lacht)

Als ich nach Deutschland gekommen bin und den Fernseher eingeschaltet hab, habe ich als erstes „Pink“ entdeckt. Und aktuell finde ich „Miss Platnum“ ganz toll. Eine gute Braut, die ihre Songs auch selbst schreibt. Also, ich lass mich von sehr vielen Sachen inspirieren.

Hier klicken, um das vollständige Interview zu lesen.

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